Benchmarking – kurz erklärt
Benchmarking ist der systematische Vergleich von Produkten, Prozessen, Kennzahlen oder Leistungen mit einem Referenzwert – etwa dem besten Wettbewerber oder dem Branchenbesten („Best Practice“). Ziel ist es, Leistungslücken aufzudecken, voneinander zu lernen und die eigene Wettbewerbsfähigkeit gezielt zu verbessern. Benchmarking beantwortet die Frage: Wie gut sind wir – im Vergleich zu wem?
Wer seine Leistung nur an der eigenen Vergangenheit misst, übersieht leicht, wie schnell sich der Markt bewegt. Benchmarking schafft hier eine externe Referenz und ist damit ein zentrales Instrument der strategischen Analyse – eng verwandt mit Markt- und Umfeldanalysen und der Arbeit mit KPIs.
Was ist Benchmarking?
Der Begriff stammt vom englischen „benchmark“ (Bezugs- oder Referenzpunkt). Benchmarking ist mehr als ein einmaliger Zahlenvergleich: Es ist ein strukturierter, kontinuierlicher Prozess, der nicht nur das Was (die Kennzahllücke), sondern vor allem das Wie erfasst – also die Methoden und Praktiken, mit denen ein Vergleichspartner bessere Ergebnisse erzielt. Genau dieser Transfer von Best Practices macht den eigentlichen Wert des Benchmarkings aus.
Wichtig ist die Abgrenzung: Ein Benchmark ist der Referenzwert selbst (z. B. „beste Liefertreue der Branche: 98 %“). Benchmarking ist der Prozess, diesen Wert zu ermitteln, die Ursachen zu verstehen und die eigene Leistung daran auszurichten.
Die vier Arten des Benchmarkings
| Art | Vergleich mit … | Stärke |
|---|---|---|
| Internes Benchmarking | anderen Abteilungen, Standorten oder Teams im eigenen Unternehmen | Daten leicht verfügbar, schnell umsetzbar |
| Wettbewerbs-Benchmarking | direkten Konkurrenten im selben Markt | hohe Relevanz, aber Daten schwer zugänglich |
| Funktionales Benchmarking | Unternehmen mit ähnlichen Funktionen aus anderen Branchen | neue Perspektiven, branchenübergreifendes Lernen |
| Generisches Benchmarking | branchenunabhängigen Best-Practice-Prozessen | größtes Innovationspotenzial |
Der Benchmarking-Prozess in fünf Schritten
- 1. Objekt festlegen: Was soll verglichen werden? (Prozess, Produkt, Kennzahl) – und welche KPIs sind relevant?
- 2. Vergleichspartner wählen: Wer ist der passende Maßstab (intern, Wettbewerb, branchenfremd)?
- 3. Daten erheben: Eigene und externe Werte sauber und vergleichbar erfassen.
- 4. Analysieren: Leistungslücke (Performance-Gap) bestimmen und vor allem die Ursachen der besseren Leistung verstehen.
- 5. Umsetzen & nachhalten: Best Practices adaptieren, Maßnahmen ableiten und den Vergleich regelmäßig wiederholen.
Vorteile und Grenzen
| Vorteile | Grenzen |
|---|---|
| Objektive Standortbestimmung statt Selbstüberschätzung | Verlässliche Vergleichsdaten oft schwer zugänglich |
| Konkrete Lernimpulse durch Best Practices | Best Practices sind nicht 1:1 übertragbar (Kontext zählt) |
| Deckt blinde Flecken und Verbesserungspotenziale auf | Reines Kopieren führt bestenfalls zum Gleichstand, nie zur Führung |
| Schafft Akzeptanz für Veränderung durch externe Referenz | Aufwand für Erhebung und Pflege nicht unterschätzen |
Einschätzung der awi-Experten
Der häufigste Fehler beim Benchmarking ist, beim Zahlenvergleich stehen zu bleiben. Zu wissen, dass ein Wettbewerber schneller liefert, bringt wenig – entscheidend ist zu verstehen, warum. Wertvolles Benchmarking analysiert die zugrunde liegenden Prozesse und übersetzt sie in den eigenen Kontext, statt sie blind zu kopieren.
Die awi unterstützt Unternehmen dabei, aussagekräftige Vergleichsmaßstäbe zu definieren, Leistungslücken zu analysieren und daraus umsetzbare Maßnahmen abzuleiten – als Teil von Markt- und Umfeldanalysen und strategischer Beratung. Sprechen Sie uns an.
Häufige Fragen zum Benchmarking (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen Benchmark und Benchmarking?
Ein Benchmark ist der Referenz- oder Bestwert selbst (z. B. die beste Liefertreue der Branche). Benchmarking ist der systematische Prozess, diesen Wert zu ermitteln, die Ursachen der besseren Leistung zu verstehen und die eigene Leistung daran auszurichten.
Welche Arten von Benchmarking gibt es?
Man unterscheidet vier Hauptarten: internes Benchmarking (eigene Standorte/Abteilungen), Wettbewerbs-Benchmarking (direkte Konkurrenten), funktionales Benchmarking (ähnliche Funktionen anderer Branchen) und generisches Benchmarking (branchenunabhängige Best Practices).
Wofür wird Benchmarking eingesetzt?
Benchmarking dient der objektiven Standortbestimmung, dem Aufdecken von Leistungslücken und dem Lernen von Best Practices. Es wird in nahezu allen Bereichen genutzt – von Prozessen und Kosten über Qualität und Kundenzufriedenheit bis zu strategischen Kennzahlen.
Wie oft sollte Benchmarking durchgeführt werden?
Benchmarking ist idealerweise kein Einmalprojekt, sondern ein wiederkehrender Prozess. Je nach Dynamik der Branche bietet sich eine jährliche bis halbjährliche Wiederholung an, um Fortschritte zu messen und neue Best Practices zu erkennen.
Quellen & weiterführende Informationen
- Gabler Wirtschaftslexikon: Stichwort „Benchmarking“ – wirtschaftslexikon.gabler.de
- Verwandte Begriffe im awi-Glossar: KPI & SWOT-Analyse